Minden-Todtenhausen (mt). "Und behauptet nachher nicht, Ihr hättet nichts mitbekommen". Die Botschaft, die das "Trotz-alledem-Theater" den jungen Zuschauern während der Aufführung mit auf den Weg gibt, ist klar und deutlich: Mobbing passiert nicht still und heimlich.

Obschon die Aufführung "Die Geschichte von Lena" rund eine Stunde dauert, verfolgen die Fünft- und Sechstklässler der Hauptschule Todtenhausen das Zweipersonen-Stück mit Michaela Sauerwald und Thomas Sellin hoch konzentriert. Denn schnell wird den jungen Zuschauern klar: das, was da auf der Bühne passiert, könnte sich so oder ähnlich in jeder Schule abspielen.

Die Geschichte handelt von Lena, die zunächst eine ganz normale Schülerin ist. Plötzlich wird sie von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gemobbt. Auslöser: Lenas beste Freundin Maria ist gekränkt und verärgert, weil sie in diesem Jahr nicht mit Lena und ihrer Familie ins Ferienhaus nach Schweden mitfahren darf, da Lenas älterer Bruder Klaus unverhofft wieder mit in Urlaub fährt.

Was zunächst ganz harmlos beginnt, spitzt sich mehr und mehr zu. Sind es zunächst nur zwei Schülerinnen, die Lena hänseln und meiden, so werden es bereits nach kurzer Zeit immer mehr. Und am Ende steht Lena ganz alleine da. Niemand will zu ihrer Geburtstagsfeier kommen. Deshalb sieht das Mädchen in ihrem Leben keinen Sinn mehr . . .

Das eigentliche Ende der Geschichte bleibt offen. Damit alle Zuschauer wissen, dass die Aufführung zu Ende ist, erscheint ein schlichter Schriftzug "ENDE". Beklemmende Stille macht sich im Publikum breit - und die Fünft- und Sechstklässler wissen für einen kurzen Augenblick nicht, ob sie applaudieren sollen oder nicht.

Schließlich bedanken sich die beiden Schauspieler, die während der Aufführung immer wieder in wechselnde Rollen geschlüpft sind, klatschend bei ihrem jungen Publikum. "Danke, dass ihr das Stück so konzentriert verfolgt habt", meint Thomas Sellin. Er und seine Partnerin lassen die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer dann auch nicht alleine. Begleitet wird das Theaterprojekt, das vom Ministerpräsidenten des Landes gefördert wird, nämlich von Workshops zum Thema "Mobbing". "Wir werden mit den Kindern ausführlich über das Stück sprechen und fragen, wann, wo und vor allem wer in das Geschehen hätte eingreifen müssen, damit Lena nicht so leiden muss", erklärt Schauspielerin Michaela Sauerwald. Darüber hinaus werde das Thema in Rollenspielen aufgegriffen. "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die Kinder konzentriert mitarbeiten und oftmals sogar den Mut haben, über eigene Erfahrungen zu sprechen", berichtet Michaela Sauerwald.

"In allen unseren fünften Klassen finden zu Beginn des Schuljahres dreitägige spielpädagogische Seminare in Pollertshof in Preußisch Oldendorf statt", erläutert Konrektorin Ria Urban. Auf diese Weise solle nach Möglichkeit von Anfang an verhindert werden, dass in den Klassen einzelne Schüler in die Rolle von Außenseitern gedrängt werden. Das Thema Gewaltprävention werde dann im Laufe der Jahre immer wieder neu aufgegriffen, betont die Konrektorin.






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